Rückblick 2020

Im Zaubergarten der Kunst


Kann es sein, dass eine Frau an Ihrem 150. Geburtstag immer noch die Welt bewegt?

Ja! Ida Dehmel!

Geboren wurde sie 1870 als Ida Coblenz in Bingen. Das oberste Gesetz ihres Elternhauses sei nicht die Liebe gewesen, sondern die Pflicht, berichtet sie über ihre Kindheit.

Sie setzt sich mit der Lyrik ihres Jugendfreundes Stefan George bewundernd, teilnehmend und kritisch auseinander. „Ein Heißhunger nach schönen Worten, die mich einwiegten oder davontrugen in fremde Schicksale, lebte in mir“ beschreibt sie.











1895 wird sie nach Berlin zwangsverheiratet mit Konsul Leopold Auerbach. Immerhin konnte sie als Frau Konsul Auerbach ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur nachgehen. Zum Jour fixe in ihren Salon lud sie Kulturschaffende aller Sparten ein. Als inspirierende Muse, sensible Kritikerin und Mäzenin fördert sie und fordert heraus. Sie weiß ihre Rolle als Repräsentationsobjekt mit ihren Interessen für die Kunst zu verbinden.

Ihr Sohn Heinz Lux wird im Ersten Weltkrieg 1917 mit 21 Jahren abgeschlachtet. Auch ihr zweiter Ehemann Richard Dehmel, eine Liebesheirat, starb 1920 an den Folgen seines euphorischen Kriegseinsatzes.

Politisches Engagement

Ida Dehmel engagiert sich in der Folge nicht nur kulturpolitisch, sondern auch politisch. Vehement setzt sie sich für das Frauenwahlrecht ein und etabliert einen „Verein zur Unterstützung von Kriegswaisen“. 1916 gründet sie den „Frauenbund zur Förderung deutscher bildender Kunst“. 1926 ruft sie die „Vereinigung Hamburger Künstlerinnen“ und die „GEDOK, Verband der Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden“ ins Leben. Ihr Engagement in der Öffentlichkeit wird von ihren Zeitgenossen als unnatürlich bezeichnet. Sie setzt sich jedoch weiterhin dafür ein, was sie gesellschaftlich für notwendig und geboten hält.

Obwohl sie einer jüdischen Familie entstammte, lebt sie nicht religiös und interessiert sich für alle Religionen. Erst als Erwachsenen sieht sie eine Synagoge von innen.


1933 wird Ida Dehmel aufgrund ihrer jüdischen Herkunft zum Rücktritt als Vorsitzende der GEDOK gezwungen und aus dem Verein ausgeschlossen, ebenso wie rund 3000 weitere Mitglieder der GEDOK, zum Teil auch, weil sie politisch unbequem waren.

Ihrer Deportation nach dem Konzentrationslager Dachau entzieht sie sich 1942 durch Suizid.

Nach dem zweiten Weltkrieg wird die GEDOK neu gegründet und setzt sich heute mit annähernd 3000 Mitgliedern in 23 Regionalverbänden für die Förderung von Frauenkunst und Kultur ein. Die Gedok ist damit heute der europaweit größte Berufsverband und das größte Netzwerk für Künstlerinnen.


Danke Ida Dehmel.

Wir GEDOK-Frauen feiern Ida Dehmels 150sten Geburtstag dieses Jahr in Bingen, ihrem Geburtsort, in Hamburg, ihrer Wahlheimat, und an anderen Orten.

Beate Koslowski, 

Fachbeirätin der GEDOK Wiesbaden Mainz, präsentierte Ida Dehmel am 

23.Februar 2020 

im Kranichsteiner Literaturverlag in Darmstadt. Sie las aus Ida Dehmels bislang unveröffentlichtem autobiografischen Roman „Darija“ und spricht über das Leben dieser ungewöhnlichen Frau. 

Ida

Dehmel

GEDOK 

Die GEDOK, Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden, ist der größte Berufsverband für Künstlerinnen in Europa. Seit 45 Jahren bin ich Mitglied, momentan in der Funktion der Fachbeirätin für Malerei in der GEDOK Wiesbaden Mainz.

            > zur GEDOK

Die Gedok-Künstlerin und Kreativmacherin Christina Kastner-Stöhr hat für die GEDOK Wiesbaden Mainz eine Internetgalerie eingerichtet.

Die Internetgalerie ist über die GEDOK-Seite sowie

           > direkt von hier .










Ausstellung in der Goldschmiede

Die Serie „Maskeraden“ war von Januar bis in den März 2020 in der Goldschmiede im Nauheimer Atrium (Georg-Mischlich-Platz 1) zu den Öffnungszeiten zu sehen.

Zwei Meter Abstand


Schweren Herzens habe ich mich dazu durchgerungen, meine letzten Malkurse am 19. und 26. März abzusagen. Nach Lage der aktuellen Situation hier im Landkreis Groß-Gerau schien mir das dringend geboten.


Wenn Opel wegen Infektionen hunderte Mitarbeiter ins Homeoffice schickt, das Museum Rüsselsheim alle Veranstaltungen absagt, die Schulen schließen und vieles mehr, ist es ein Luxusproblem, Malkurse abzusagen.

















Bild: „Nachbarn“.

120 x 150 Zentimeter, Acryl auf Leinen.

Malen im Atrium


Im Mai und Juni wäre ich, wie in vielen Jahren zuvor, gerne wieder mit einer Gruppe Gleichgesinnter nach Ischia gereist. In der südländischen Atmosphäre meiner Profession nachzugehen, das ist für mich als das Nonplusultra. Doch Corona hat mir einen dicken Pinselstrich über die Leinwand gezogen.









Ich blieb zu Hause und habe im Atrium gemalt. Im Schatten eines Sonnenschirms ließ sich das gleißendes Licht, das den Marktplatz überflutete, ertragen. Denn ich war nicht am frühen Abend dort, sondern genau zu der Zeit, wenn in Neapel eigentlich alle Siesta halten. Die Presse bat um einen Termin zu dieser unwirklichen Uhrzeit.

Sicherlich hätte meine Malgruppe später reisen können, aber nach der Rückkehr hätten wir in Quarantäne gemusst. Nun nahm ich mir vor, das Beste aus der Sache zu machen. ich verließ mein Atelier und schöpfte neue Kraft aus der künstlerischen Muse im Freien.

Es waren die Menschen, die ich beobachtete und denen ich in meinen Bildern die größere Aufmerksamkeit schenke. Architektur und Farben rückten in den Hintergrund. Stattdessen: Ein Junge, der selbstvergessen im Wasser plantscht. Der Müßiggänger auf einer Sitzbank. Und die Mutter, die ihren Kindern beim Spielen zusieht. Fantastisch. In diesen kurzen Momenten drückt sich das Leben aus.


Das ist sehr viel Schwärmerei, doch es musste sein. Ich verweilte und arbeitete im Atrium. Und das, wie erwähnt, zu einer Uhrzeit, in der Italiener Siesta halten. Aber das Gefühl, sich im gurgelnden Wasserspiel des Brunnens abzukühlen, war in diesem Sommer einfach erstklassig.

Nur Malen ist noch schöner.

Und sicherlich auch eine Reise nach Ischia.