2021

GEDOK

Wichtig wie eh und je


Wie nach Monaten des Pandemie-bedingten Rückzugs aus einem Arbeitstreffen ein kultureller Höhepunkt werden kann, haben in meinem Atelier zahlreiche Künstlerinnen bewiesen. Nebenbei ist es uns gelungen, eine Organisation bekannter zu machen, die ihren Mitgliedern zugleich Rückhalt, Ansporn und Aufgabe ist.

In meinen Schaffensräumen kam es einem Arbeitstreffen der „GEDOK“. Bei der GEDOK handelt es sich, wie Eingeweihte wissen, um die Gemeinschaft der Künstlerinnen und Kunstfördernden, die 1923 von Ida Dehmel gegründet wurde. Heute gilt die die GEDOK als größter Berufsverband für Künstlerinnen in 


Europa. Im Berlin der Gründerzeit pflegte Ida Dehmel, Gäste in einem prachtvollen Salon zu künstlerischem und geistigem Austausch zu empfangen.

Mir und vielen Berufskolleg*innen ist es seit mehr als einem Jahr nicht vergönnt, in eigenen Schaffensräumen vielen Menschen zu begegnen. Was Wunder, dass das vor meinem Atelier im Freien arrangierte Arbeitstreffen von rund einem Dutzend Gedok-Mitgliedern „eine Vielzahl erlebenswürdiger Blüten hervorzauberte, die nach so langer Abstinenz fast wie ein klein-kultureller Urknall wirkten“, wie es in Medienberichten hieß.

Endlich mal wieder Kultur

Bürgermeister Jan Fischer deutete das bereits als Gastredner an. Es sei „dermaßen befreiend“, nach der durch Corona auferlegten Pause endlich mal wieder eine Kulturveranstaltungen zu besuchen, lobte er die Initiative. Auch der Nauheimer Parlamentsvorsitzende Johann Siegl war gekommen. Als „Erster Bürger“ der Gemeinde war er „Vertreter von 11.000 Nauheimern“, wie er mir sagte.


Ohne großes Publikum – die Corona-Vorschriften gestatteten keine öffentliche Einladung – erlebten die kulturell ausgehungerten Besucher Klarinettistin Dorothea Herrmann, die die Zusammenkunft entscheidend mitgestaltet hatte. Sie lehrt Klarinette am Peter-Cornelius-Konservatorium und verwirklicht zeitgenössische musikalische Abenteuer, von denen sie mit der eigenen Komposition „Fieberfeucht“ ein Solo spielte.

Hefe im Gedok-Teig

Als „Wortstellerin“ präsentierte sich Lyrikerin Iris Welker-Sturm. „Sie ist Hefe im GEDOK -Teig“. Das sage ich im Wissen von 45 Jahren GEDOK-Mitgliedschaft als Fachbeirätin für Malerei in der Region Wiesbaden/Mainz. Iris Welker-Sturm las aus ihrem Roman über Luise Büchner und betonte, getragen vom feministisch-blühenden Selbstbewusstsein engagierter Frauen, dass ohne die Arbeit von Luise Büchner und die ihrer jüngeren Brüder über Georg Büchner „schlicht nichts bekannt wäre“.

Autorin Britta Röder, als Schriftstellerin ebenso im Kreis bekannt wie als Mitglied des Redaktionsteams des Groß-Gerauer Kulturatlas, trug bewegende Passagen aus ihrem neuen Roman „Das Gewicht aller Dinge“ vor. Eloquent und spannend geschrieben fesselte ihre Erzählung uns alle vor meinem Atelier.

Im Innern warteten Arbeiten von Heike Holstein, Jutta Mertens und Ullabritta Deutsch ebenso auf Bewunderer wie Tina Jungs ausdrucksstarke Fotografien. Zu sehen waren natürlich auch meine Arbeiten. Zwischendurch stimmten Dorothea Hermann und Nadja Salameh mit einer Elegie von Igor Strawinsky uns musikalisch ein.

Genügend Stoff also, um zu schwelgen und zu genießen. Ein Leben ohne Kultur sei, ganz im Sinne von Ida Dehmel und der GEDOK, undenkbar, waren wir uns alle einig.

Zu betonen ist in diesen Tagen von Corona, wie sehr in diesen Zeiten Künstler*innen ums Überleben kämpfen müssen. Als GEDOK-Fachberaterin kenne ich die Umstände: Nur graduell existieren Unterschiede zwischen den Gründungsjahren und der Gegenwart. Je wichtiger die Ausstellungen und je höher der Kunstpreis dotiert ist, desto weniger Frauen sind dabei. Leider ist das heute immer noch so.