Die Faszination venezianischer Masken


Fastnacht? War da etwas? Ja tatsächlich, ich habe es mir erlaubt, meine eigene Fastnacht zu gestalten. Bei mir im Atelier. Dabei habe ich mich von Venedig und Neapel inspirieren lassen. Dort sind Masken selbst bei einem durch Corona verhinderten Fastnachtsfrohsinn ein Grund, optimistisch nach vorne zu blicken.

In den Fenstern meines Ateliers habe ich venezianische und neapolitanische Masken präsentiert. „Für mich haben die etwas Faszinierendes.“

Ich erkenne in einem mit einer solchen Maske vermummten Menschen oftmals mehr als ohne. Die Art der Maske, das künstlerische Motiv, die Farben, die damit vermittelte Stimmung und Atmosphäre, all das sagt etwas aus über den Träger. „Ich erinnere mich, dass ich mir mal eine Maske aufgesetzt habe und auf ein Feld mit Fußball spielenden Kindern ging. Die haben einfach weitergespielt als wäre ich ein Gespenst.“ So war das in Zeiten, als das Maskentragen noch spaßig war.

Ich erinnere mich auch an den Besuch der Darmstädter Kunstschule in jungen Jahren. An Karneval war dort alles mit Packpapier verkleidet und nach dem Motto „Zille sein Milieu“ im Stil von Berlin um 1900 bemalt. Eine Riesenfete, an die heutzutage niemand mehr zu denken wagt.

Doch wie wäre es, im nächsten Jahr wieder einen Mordsspaß zu haben? Wie einst „an Weiberfastnacht, als ganz Wiesbaden im Ausnahmezustand war? Ich würde gerne mit meinem Kunstkreis feiern. „Nacht in Venedig“, „Nachtfalter und Zaubergrillen“, „Feiern auf dem Leuchtturm“ oder „Gewimmel im Himmel“  könnten die Mottos lauten.

Doch ich bleibe selbstverständlich weiterhin seriös, dazu zwingt mich schon das Weltgeschehen, nicht zuletzt die traurige Phase des sich wiederholenden Lockdowns.  Da ist einem nicht nach Fasching zumute. 

Und es gibt noch ganz andere Probleme, die in den Hintergrund gerückt sich aber fortbestehen. Ich zeige das mit Menschen in einem Boot. Sie befinden sich zweifellos in großer Not. Das Motiv entstammt einem Zeitungsfoto mit Flüchtlingen, die um ihr Leben fürchten. „Das hat mich sehr berührt.“

Ich male gerade auch ein anderes Werk mit dem Titel „Wo ist hier der Notausgang?“. ich denke darüber nach, ob Erben heute noch zeitgemäß ist, wenn sich Menschen selbst mit Eigentum kaum noch etwas leisten können. Und ich reflektiere über fast vergessene Zeiten, in denen ich mit mit meiner Großmutter die Ostereier noch mit Zwiebelschalen gefärbt habe. „Was für ein Glück!“

Gründe, sich hängen zu lassen, gibt es vielleicht, aber Resignation ist nicht meine Art. Ich sage mir: „Koslowski, du hast es so gut, es gibt keinen Grund rum zu jammern. Und nächstes Jahr gibt es in meinem Atelier vielleicht einen „kleinen Maskenball.“